Demokratisierung durch Zusammenarbeit? Funktionale Kooperation mit autoritären Regimen und Sozialisation in demokratischem Regieren [Democratization through cooperation? ... ]

2011, Zeitschrift für Internationale Beziehungen/ German Journal of International Relations 18(1): 5-46 [»].
-> T. Bräuninger (2012) Fruchtbarer Boden oder doch nur Wüste? Eine Replik auf Tina Freyburg [Fertile soil or just a desert? A Reply ], ZIB 19(1): 85-101 [»]
-> T. Freyburg (2012) Wenn die Wüste blüht. Eine Replik auf Thomas Bräuninger [When the desert blooms], ZIB 19(1): 103-120 [»].

Ist funktionale Kooperation mit autoritären Regimen ein Segen oder ein Fluch für Demokratisierung? Wissenschaftler vertreten überwiegend die Ansicht, dass Kooperation mit autoritären Regimen kontraproduktiv für Demokratisierungsprozesse sei, da sie das Regime stabilisiere und damit der amtierenden Regierung helfe, an der Macht zu bleiben. Dieser Artikel präsentiert empirische Befunde, die darauf schliessen lassen, dass funktionale Kooperation ein Weg sein kann, subtile Demokratisierungsprozesse auszulösen. Er untersucht, inwieweit Staatsbeamte mit demokratischem Regieren vertraut werden, indem sie an transgouvernementalen Politiknetzwerken teilnehmen, insbesondere dem Twinning-Programm, das von der Europäischen Union zur Implementierung funktionaler Kooperation mit der südlichen Nachbarschaft initiiert wurde. Die Studie führt Regressionsanalysen basierend auf originären Umfragedaten zu der Einstellung marokkanischer Staatsbeamten zu demokratischem Regieren durch und ergänzt diese mit einem qualitativen Vergleich verschiedener Netzwerke. Die Ergebnisse stützen eine optimistische Einschätzung von funktionaler Kooperation. Indem sie die Einstellung zu demokratischem Regieren der involvierten Staatsbeamten signifikant beeinflusst, scheint Kooperation in der Tat Samen für einen demokratischen Wandel inmitten autoritärer Regime zu säen.